19.04.2026

Ort: zugeordnetes Wahllokal


Der Bauträger MvB (Max von Bredow) Baukultur wirbt mit ökologisch nachhaltigem Wohnraum und einem Ort der Begegnung. Was ist daran problematisch?

Zwar ist die frühere Sanierung des Spinnerei-Areals (unter Quest) gelungen. Beim aktuellen Projekt wird jedoch auf großflächige Neuversiegelung gesetzt – ein Ansatz, der heute nicht mehr zeitgemäß ist. Während andernorts entsiegelt wird, plant Kolbermoor trotz bereits hoher Einwohnerdichte und überlasteter Infrastruktur eine massive zusätzliche Bebauung statt die Nutzung bestehender Flächen zu intensivieren.

Auch die Behauptung, der Stadtrat habe die Planungen bekräftigt, ist so nicht haltbar. Im November 2025 wurde der Rahmenplan abgelehnt. Ein anschließendes Bürgerbegehren wurde zwar beschlossen, jedoch hätte laut Art. 18a (9) GO bis zum Bürgerentscheid kein weiterer Beschluss gefasst werden dürfen. Dennoch beschloss der Stadtrat am 28.01.2026 die Weiterverfolgung der Planungen – rechtlich fragwürdig und im klaren Widerspruch zum Bürgerentscheid. Ein Beschluss am 10.02.2026, wie vom Bauträger suggeriert, existiert nicht.

Die Darstellung des Areals als „Baulücke“ ist irreführend: Tatsächlich handelt es sich um landwirtschaftliche Fläche, umgeben von Natur und teilweise geschützten Bereichen. Auch Angaben zur Umgebung sind teilweise falsch oder stark verkürzt.

Ebenso zweifelhaft ist die Aussage, das Projekt verursache weniger Verkehr als vergleichbare Siedlungen. Das Areal liegt am Stadtrand, und die geplante Bebauung wird den Verkehr erheblich erhöhen – bei gleichzeitig unzureichender Infrastruktur. Genau diese Punkte werden auch von Stadträten kritisiert.

Eine echte Bürgerbeteiligung hat bislang nicht stattgefunden. Die sogenannte Beteiligung 2024 ließ zentrale Alternativen außen vor. Inzwischen verweist die Stadt nur noch auf das formale Beteiligungsverfahren im Rahmen des Bebauungsplans – faktisch bleibt Bürgern oft nur der Klageweg. Kritik an Erschließung, Bebauungsdichte, Verkehr, Baugrund, Umweltfolgen und Kosten wird unzureichend berücksichtigt.

Diese Fehlentwicklung kann durch den Bürgerentscheid gestoppt werden. Ein Flächenerhalt eröffnet die Chance, das Areal künftig unter neuen politischen Rahmenbedingungen und mit echter Bürgerbeteiligung sowie unter Berücksichtigung von Natur-, Klima- und Hochwasserschutz neu zu bewerten.

Bürgerentscheid Kolbermoor

41 Gründe für den Flächenerhalt

Die wichtigsten Argumente gegen das geplante Bauvorhaben – gegliedert nach Themenbereichen.

Jeder Punkt kann einzeln geöffnet werden. Im Dropdown finden Sie jeweils den vollständigen Originaltext.

Natur & Klima

Flächenerhalt, Artenvielfalt, Biotope, Hitzeentwicklung und langfristige Bedeutung unversiegelter Böden.

1 Weil Kolbermoor mit Abstand die am dichtesten besiedelte Stadt im Landkreis ist!
Kolbermoor liegt weit vor Wasserburg und ist fast doppelt so dicht besiedelt wie Bad Aibling.

Der noch amtierende Bürgermeister führte zu Beginn der Planung 2024 die Prognose des Landesentwicklungsplans an, um die weitere Ausweisung von Baugebieten zu rechtfertigen. Kolbermoor hat aber heute schon die Entwicklungsprognosen der Bevölkerung für 2030 erreicht. Wo soll Kolbermoor noch hinwachsen? Unabhängig davon geht der Trend der Bevölkerungszahlen in Deutschland trotz Zuwanderung in den kommenden Jahren und Jahrzehnten nach statistischen Prognosen stetig nach unten.
2 Weil es in Kolbermoor nur noch wenige Wiesen gibt!
Das Großbauvorhaben ist eine Watsch’n in das Gesicht von Artenvielfalt und Naturschutz. Es geht um 11 Fußballfelder, die komplett umgekrempelt werden sollen, inklusive tausender LKW-Ladungen abzutransportierenden Seetons, den schon wegen der Masse keine bayerische Deponie aufnehmen kann und dessen Zusammensetzung auch Spezialdeponien in anderen Bundesländern überfordert. Die vernichteten (Mikro-)Organismen werden nicht mehr zurückkommen (können), auch wenn der noch amtierende Bürgermeister im Juni 2025 von einer „positiv verlaufenen Artenschutzprüfung“ spricht.
3 Weil ein geschütztes Biotop gefährdet wird bis hin zur möglichen Vernichtung!
Auch, wenn „nur“ eine weitere Brücke vorgesehen ist, die im Biotop verankert werden muss: Die benachbarte Großbaustelle wird das Biotop am Teufelsgraben so stark beeinträchtigen, dass irreparable Schäden entstehen, bis hin zur drohenden kompletten Vernichtung.
4 Weil wir Fledermäuse, Vögel, Igel, Lurche und Frösche, Blindschleichen und Ringelnattern, Salamander und Eidechsen, Rehe usw. behalten wollen!
Der noch amtierende Bürgermeister hatte im Sommer vergangenen Jahres anklingen lassen, dass eine erste Artenschutzprüfung „positiv verlaufen“ sei und es nichts gäbe, was sich nicht wieder ansiedeln würde. Diese Aussage ist bereits das Eingeständnis einer erheblichen Beeinträchtigung. Die untere Naturschutzbehörde wurde nach der uns vorliegenden Information bislang nicht eingebunden.
5 Weil kein neues Biotop „geschaffen“ wird! Auch nicht 3 %!
Wenn eine landwirtschaftliche Fläche der Bebauung preisgegeben wird, dann ist das keine „Biotoperweiterung“. Ebenso bildet ein Retentionsbecken kein Feuchtbiotop, weil das Wesen eines Retentionsbeckens gerade in temporärer Austrocknung besteht. Wenn Bäume angepflanzt werden, wo gleichzeitig vorher gefällt wurde, gibt es kein neues Grün. Bis die Bäume, die neu gepflanzt werden, die Größe der mehr als zwei Dutzend in 2023/2024 der Fällung und dem Schneebruch zum Opfer gefallenen erreichen und damit einen signifikanten Einfluss auf die Wassersituation und das Mikroklima hätten, müssten sie wegen Verschattung der neuen Gebäude und Wurzelung in verlegte Leitungssysteme wieder gefällt werden.
8 Weil Kolbermoor sich im Sommer nicht noch weiter aufheizen darf!
Die Versiegelung und Bebauung der Fläche führt zu einer erheblichen Einschränkung der Windschneisen von Westen (Tonwerkweiher) nach Osten (Keferwald). Dadurch entstehen Hitzestaus, die sich auch und insbesondere auf die Temperaturen und das geschützte Biotop am Teufelsgraben und den Keferwald auswirken.
9 Weil man eine Verdunstungswiese nicht entwässern und versiegeln darf!
Die Wiese bietet eine gewaltige Verdunstungsfläche. Weil das Wasser kaum versickert, wird über einen langen Zeitraum Verdunstungskälte erzeugt. Dies kühlt die Stadt. Wenn die Wiese entwässert wird, fällt dieses Verdunstungspotenzial weg. Da das Retentionsbecken nicht diese Fläche abdecken kann und obendrein leer laufen muss, um seiner Funktion gerecht zu werden, kann es diesen Verlust auch nicht ansatzweise ausgleichen.
10 Weil in Zukunft entsiegelt werden muss!
Gleichzeitig heizen sich versiegelte Flächen im Sommer deutlich mehr auf als unversiegelte. Entsiegelung lautet das Gebot der Stunde im Angesicht des Klimawandels zur Senkung der Temperaturen in Städten und Gemeinden. Der Unterschied von stark zu moderat versiegelten Städten kann bis zu 10 Grad Celsius betragen. Andere Städte machen es längst vor – keine Neuversiegelungen!
16 Weil unsere Kinder und Enkel auch noch landwirtschaftliche Flächen brauchen werden!
Wie sich letztlich der Klimawandel in ganz Deutschland auswirken wird, ist mit großer Unsicherheit behaftet. Die landwirtschaftlichen Großflächen im Osten Deutschlands sind inzwischen zu Spekulationsflächen ausländischer Unternehmen geworden. Im Nordosten Deutschlands trocknen die Böden aus. Große Teile der Böden sind inzwischen überdüngt. Viele landwirtschaftliche Flächen werden auch inzwischen für erneuerbare Energien genutzt. Das führt dazu, dass immer weniger Boden für landwirtschaftliche Erträge aus der Bewirtschaftung zur Verfügung steht. Böden, die aber einmal versiegelt sind, sind für Landwirtschaft unwiederbringlich verloren. Unsere Nachkommen werden diese Böden brauchen.
30 Weil man die Unterlieger seit Jahren wirklich schützen könnte!
Spätestens nach den Hochwasserereignissen im Juni 2024 wurden Hochwasserschutzmaßnahmen vom Bayerischen Umweltministerium oberste Priorität eingeräumt. Dazu können sogar Enteignungsmaßnahmen durchgeführt werden. Nun wäre es nicht erforderlich, große Teile der landwirtschaftlichen Fläche zu enteignen. Jedoch hätte zum einen der auf dem Areal bis Herbst 2023 noch existente Baumbestand nicht abgeholzt werden dürfen. Außerdem wäre es seit Jahren möglich gewesen, die Randbegrenzung der Wiese zu den Unterliegern hin mit einer Baumreihe zu versehen. Dazu bedarf es keiner größeren Enteignungsmaßnahmen, möglicherweise hätten sogar Auflagen gereicht.

Baugrund & Wasser

Seeton, Entwässerung, Kanalisation, Grundwasser, Setzungen und Hochwasserrisiken.

6 Weil es sich um ausnehmend schlechten und kaum tragfähigen Baugrund handelt!
Ob Salzburg, Konstanz oder Rosenheim, Seeton ist tückisch. Der Seeton unter dem Areal reicht bis zu einer Tiefe von 100 m. Seeton ist eine wabernde schluffige Masse, die den Neubau selbst durch Setzungen genauso beeinflusst wie die bestehende Nachbarbebauung. Je massiver die Bebauung, desto negativer die Auswirkungen. Bei der vorliegenden Planung wird eine Masse geschaffen, die enorm auf den Boden drückt. In dieser Dimension wird nicht einmal der deutlich tragfähigere Kiesboden im Spinnereigelände belastet. In Konstanz wies ein Parkhaus nach wenigen Monaten der Inbetriebnahme schon durch Benutzung mehrere Zentimeter Setzung auf. Hier hingegen sollen zwei private und eine öffentliche Tiefgarage über 6.000 qm gebaut werden! In Rosenheim musste auf den Abriss und Neubau des Genossenschaftsbankgebäudes verzichtet werden, da sich unkalkulierbare Risiken für die benachbarten Gebäude ergaben. (OVB berichtete 13.12.2019). Der Bau der Westtangente war eine Herausforderung, Kosten und Bauzeit explodierten. Nicht zuletzt deshalb wurde ein Forschungsprojekt der TU München am Ortsrand nach Großkarolinenfeld aufgelegt, das sowohl Hoch- als auch Tiefbau im Seeton untersuchen soll. Der noch amtierende Bürgermeister wollte die Ergebnisse dieser Untersuchungen nicht abwarten.
7 Weil die Kanalisation jetzt schon überlastet ist!
Bei Starkregen werden aktuell bereits die Kanaldeckel im Bereich der Unterlieger hochgedrückt. Ein Hausbesitzer der Unterlieger teilte uns mit, dass vor Jahren schon jegliche Bebauung auf dem Areal abgelehnt wurde, weil die Kanalisation überlastet ist. Gilt das jetzt plötzlich nicht mehr?
27 Weil das Entwässerungskonzept mangelhaft ist!
Es gibt ein Gutachten, das die Wasserströme von Teufels- und Schellgraben analysiert. Das abgekoppelte Entwässerungskonzept wurde von einem privaten Unternehmen erstellt und hat keine Gutachterqualität. In dem Konzept wurde laut Auskunft des leitenden Ingenieurs nur die Thematik des Oberflächenwassers untersucht, nicht jedoch die Grund- und Schichtwasserproblematiken. Diese werden mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit aufgrund der massiven Bebauung Schäden an den umliegenden Gebäuden verursachen, wie uns Wasserwirtschaftsingenieure mitgeteilt haben. Das Entwässerungskonzept empfiehlt daher vorsorglich auch den Verzicht auf Unterkellerung der Neubauten und eine Erhöhung dieser im Vergleich zur Umgebung.
35 Weil immense Haftungsrisiken drohen, die im Zweifel an der Bürgerschaft hängen bleiben!
Herr Bredow sagt, die Eigentümer der umliegenden Gebäude müssten sich keine Sorgen machen, alles würde vorher protokollarisch aufgenommen, und wenn sich hinterher Setzungsrisse ergeben würden, würden diese in Ordnung gebracht. Setzungsrisse durch unterschiedliche Setzungsblasen unter den extrem voneinander abweichenden Bestands- und Neubauten treten oft erst nach Jahren ein. Die Gewährleistung beträgt jedoch regelmäßig nur fünf Jahre. Auch die deutlich höheren Risiken unter Wasser stehender Keller der Unterlieger wurden bislang unter der Rubrik „Schauen Sie, dass Sie eine dichte weiße Wanne haben und sorgen Sie für dichte Kellerfenster!“ abgetan. Aber es bestehen Haftungsansprüche der jetzigen Anlieger, wenn sich die Situation verschlechtert. Inwieweit und in welcher Höhe diese dann gegen die Stadt bestehen, ist ohne konkrete Rechtsberatung schwer abzuschätzen. Die Objektgesellschaft des Bauträgers ist dann unter Umständen schon abgewickelt.
39 Weil die Hochwassergefahr für Kolbermoor insgesamt zunimmt!
Es gilt: Je mehr versiegelte Fläche, desto höher die Fließgeschwindigkeiten des Wassers. Der Bauträger verspricht, dass kaskadenförmige Retentionsgräben um das Quartier angelegt werden, die das Wasser (entgegen der Fließrichtung nach Süden) in das Retentionsbecken nach Nordosten leiten. Von dort soll es mit siebartiger Verzögerung nach Süden abfließen. Zum einen ist dies eine mit Vorsicht einzustufende Prognose. Inwieweit diese Gräben bei sich häufenden Starkregenereignissen den Fließgeschwindigkeiten und Wassermengen gewachsen sind und der aufgezwungenen Richtung standhalten, ist nicht ausreichend dargestellt. Dazu gibt es kein unabhängiges Gutachten, nur einen von einer privaten Firma erstellten Bericht. Aber selbst dieser hat jetzt bereits keinen absoluten Hochwasserschutz. Die höheren Scheitelwellen durch größere Fließgeschwindigkeiten können im Zweifel nicht abgefedert werden, zumal der Hochwasserschutz in Feldolling derzeit nicht funktioniert. Inwieweit die Mangfall dieses Wasser aufnehmen kann, ist nicht geklärt. Der durchgängige Hochwasserschutz war übrigens eine der Voraussetzungen für die Ausweisung der Baugebiete Kolbermoors an der Mangfall.

Wohnen & Stadtentwicklung

Kommunaler Wohnungsbau, Alternativflächen, tatsächlicher Nutzen und Rolle Kolbermoors in der Region.

11 Weil das Argument umfassenden kommunalen Wohnungsbaus nicht verfängt!
Die Schaffung von 27 % kommunaler Wohnungen zuzüglich 18 % Seniorenwohnungen für die Stadt ist nur ein Werbeversprechen. Schaut man sich andere Projekte des Bauträgers an, so wird schnell klar, dass der kommunale Wohnungsbau auf der Strecke bleibt. Dies betrifft schon deutlich weniger problematische Projekte. So wurde in Teilsrain/Wörthsee eine Wohnungsbaugenossenschaft mit einem Einheimischenmodell zunächst nach Aussteigen der Partnerfirma von MvB als Zugang zu dem Bauprojekt genutzt, um die Wohnungen anschließend selbst zu veräußern. Die Wohnungsgenossenschaft stand über Nacht vor dem Aus und hat dies nur aus der Presse erfahren müssen.
13 Weil es nicht vorrangig um sozialen Wohnungsbau geht!
Die gesamte Planung, die zum größten Teil hinter verschlossenen Türen stattfand, erweckt den Eindruck, dass das großartige Konzept „Bezahlbares Wohnen, Kita und Altenpflege“ eine Mogelpackung ist. Im letzten Sommer war von 250 bis 280 Wohneinheiten die Rede, was bei 27 % umgerechnet etwa 67 bis 75 kommunale Wohnungen bedeuten würde. Der Bürgermeister spricht von etwa 100 kommunalen Wohnungen, die jedoch die Seniorenwohnungen des Altenheims der Caritas mit einschließen. Deren Heim an Huberberg soll dann nicht mehr weiter betrieben werden. Als Ursache werden vor allem nicht mehr zeitgemäße Appartements angeführt. Die Stadt hält sich bedeckt, wer als Träger der Seniorenwohnungen eintreten wird. Es ist nicht kommunale Aufgabe, Seniorenwohnungen aus privater Trägerschaft zu übernehmen. Eine Kita ist nur erforderlich wegen des geplanten Zuzugs. Für Kolbermoorer Bürger sind ausreichend Kita-Plätze vorhanden.
14 Weil die Stadt Kolbermoor nicht die Probleme der Region lösen kann und auch nicht muss!
Kolbermoor hat bereits jetzt die Prognosen des Landesentwicklungsplans bis 2030 erfüllt. Natürlich werden günstige Wohnungen gebraucht, aber dies betrifft nicht nur Kolbermoor. Kolbermoor hat sogar vergleichsweise überdurchschnittlich viele kommunale Wohnungen, wie der zweite Bürgermeister in der letzten Stadtratssitzung auch bestätigte. Warum ist Kolbermoor dann immer noch treibende Kommune im Landkreis? Außerdem hat Kolbermoor noch einige als Baugebiete ausgewiesene Flächen, und der Bauträger MvB errichtet gerade wieder mehrere Y-Bauten im Spinnereigelände, obwohl noch immer nicht alle seine Wohnungen aus den vorherigen Projekten verkauft sind. Kolbermoor muss nicht noch mehr Baugebiete ausweisen.
15 Weil wir noch andere ausgewiesene Baugebiete haben, sogar im städtischen Eigentum!
Die Stadt hat vor einigen Jahren ein städtisches Areal in Schwaig erworben, wo die geplanten kommunalen Wohnungen ohne diese massiven Eingriffe und mit guter Anbindung sofort umgesetzt werden könnten. Außerdem bestehen noch Baugebiete im Conradty-Gelände, bei denen die Stadt unter Verhandlung mit den Eigentümern und Bauträgern auch weitere kommunale Wohnungen erwerben könnte.
21 Weil sich Leute, die „die Stadt am Laufen halten“, diese Wohnungen wegen der hohen Nebenkosten nicht werden leisten können.
„Gemeinschaftskonzept“ klingt gut, ist aber teuer. Die Gemeinschaftsräume und die Sharing-Anschaffungen müssen entweder auf die Bewohner des Quartiers umgelegt oder selbst verwaltet werden. MvB wirbt damit, die Bewohner nicht im Regen stehen zu lassen. Konkret bedeutet das, die Verwaltung wird von MvB weitergeführt und teuer umgelegt oder die Verwaltung wird nach einer Einarbeitungsphase an die Bewohner selbst übertragen. Im letzteren Fall kann das schnell zu einer schleichenden Abnutzung und Wertminderung der Gemeinschaftsräume führen, wie aus dem MvB-Projekt Bad Feilnbach zu erfahren war.
22 Weil sich eventuell auch die Stadt diese Wohnungen zum Großteil nicht wird leisten können!
Aus den Winklbauerhöfen in Holzkirchen wissen wir, dass es bei Ausbleiben von Fördermitteln sehr schnell dazu kommen kann, dass die Stadt die von ihr konzipierten Wohnungen nicht mehr bezahlen kann. Die Lösung von MvB heißt dann: Finanzierung auf dem freien Markt. Dies hat in Holzkirchen für neun Wohnungen ein Haushaltsloch von 3 Mio. € gerissen. Die Bezahlbarkeit kann aber auch schon bei den immensen Erschließungskosten aufgrund des schlechten Baugrunds zum Problem werden. Die Lösung von MvB heißt in diesem Fall: Mehr bauen, damit es sich rechnet! Die Stadt muss ihre Wohnungen aber teuer erwerben. Ob die Finanzen für 67 bis 75 kommunale Wohnungen und 25 bis 33 Seniorenwohnungen reichen, steht dann im Raum. Im Zweifel landen die Wohnungen auf dem privaten Wohnungsmarkt, siehe Teilsrain/Wörthsee.
24 Weil es nicht Aufgabe der Stadt ist, fehlende Investitionen privater Träger zu beheben!
Dies betrifft das Altenheim der Caritas. Für Altenheime bestanden ursprünglich Auflagen für bauliche Mindeststandards. Diese hätten nur durch erhebliche Investitionen erfüllt werden können. Damit hätte sich der weitere Betrieb des Caritas-Heimes betriebswirtschaftlich nicht darstellen lassen. Inzwischen sind die Vorschriften angepasst worden, da viele Altenheime hätten schließen müssen. Da die bisher bestehende Frist zur Angleichung an die baulichen Mindestvorgaben nunmehr verlängert wurde, ist es auch Bestandseinrichtungen möglich, zukünftig ohne oder nur mit einem geringen Umfang baulicher Änderungen ihren Betrieb aufrechtzuhalten.
25 Weil es keine Wohnungen für Kolbermoorer Bürgerinnen und Bürger sind!
Wie bereits im Spinnereigelände zielen Stadt und MvB gemeinsam auf den Zuzug ab. MvB wirbt auch ganz offen mit Stärkung der Kaufkraft und Gastronomie. Für die Wohnungen im Spinnereigelände wirbt MvB in Exklusivmedien, wie dem Kundenjournal von Käfer-Feinkost München Ausgabe 01/2026 oder dem Immobilienteil der Süddeutschen Zeitung vom 07.02.2026. Sein Credo ist die Vermarktung unter den steuerlichen Vorteilen des Wachstumschancengesetzes mit steuerlichen Abschreibungsvorteilen über 50 % des Kaufpreises in zehn Jahren. Dies rentiert sich nur bei Vermietung. Die Mietpreise jedoch werden entsprechend hoch sein in Äquivalenz zu seinen Kaufpreisen und treiben das Mietniveau in der Stadt weiter nach oben. Für Münchner Verhältnisse jedoch ist das Mietniveau immer noch moderat, nur eben nicht für Kolbermoor.

Verkehr & Infrastruktur

Zufahrten, Schulwege, Mobilitätskonzept, bestehende Überlastung und Infrastrukturfolgekosten.

19 Weil die Erschließung nicht gesichert ist!
Die Kostenfrage ist insbesondere wegen der fehlenden Erschließung von immenser Bedeutung. Je mehr Kosten bereits aufgebracht worden sind, desto größer ist das Risiko der versunkenen Kosten bei Scheitern des Projekts. Da die Erschließung nicht gesichert und auch keine Lösung in Sicht ist, besteht die Gefahr einer komplett vergeblichen Planung. Die zwei Zufahrten zu dem Areal sind zu schmal, eine für Schwerlasttransport ohnehin nicht geeignet, die erforderliche Verbreiterung ohne Enteignung kaum möglich. Auch die Zubringerstraßen sind für die Erschließung zu schmal und haben westlich keine Bürgersteige. Die Bergstraße als Schulweg hat sogar beidseits keine Bürgersteige. Das Verkehrskonzept berücksichtigt im Wesentlichen die Einmündungen der Straßen. Diese sind aber von untergeordneter Bedeutung. Ein unabhängiges Gutachten zu den Verkehrsströmen und ihren Veränderungen gibt es nicht.
20 Weil Konzepte für Mobilität der Zukunft nicht „verordnet“ werden können!
MvB wirbt mit einem grandiosen Mobilitätskonzept. Man kann solche Konzepte nicht „verordnen“. Einerseits wirbt MvB mit Kita-Plätzen für Doppelverdiener, andererseits mit dem Weglassen von Zweitwagen. Dies ist schwer vereinbar, weil Arbeitsplätze nicht unbedingt mit dem Rad oder fußläufig erreichbar sind. Münchner, die hierherziehen, sind oft auch Pendler. Der ÖPNV ist wenig leistungsfähig und defizitär. Außerdem ist der Fuß- und Radverkehr sehr wetterabhängig. Car-Sharing kann eine Alternative für ältere Menschen sein, wird aber oft nicht angenommen. Für berufstätige Bürgerinnen und Bürger trägt das Konzept ohnehin kaum. In Bad Feilnbach beim Projekt Tannenhof werden die zwei Car-Sharing-Fahrzeuge inzwischen weitgehend von der Stadtverwaltung selbst genutzt.
23 Weil ein weiterer Kindergarten für Kolbermoorer Bürger nicht erforderlich ist!
Was den jetzigen Kolbermoorer Bürgerinnen und Bürgern fehlt, sind nicht Kindergartenplätze, siehe Stadtratssitzung vom 25.03.2026, sondern Personal. Eine neue Kita macht also nur dann Sinn, wenn sie ihr Personal gleich mit dem Zuzug mitbringt. Die Notwendigkeit einer neuen Kita ergibt sich also aus dem Quartier selbst.
28 Weil man Fehler der Vergangenheit nicht durch neue Fehler korrigieren kann!
Die mangelnde Erschließung früherer Bauten führt heute zu einer unübersichtlichen Situation. Tatsächlich sind große Teile der Umgebungsbebauung nicht ausreichend erschlossen. Dieses Problem ließe sich mit der technischen Erschließung des Projekts in tatsächlicher Hinsicht zumindest teilweise und in rechtlicher Hinsicht sehr wahrscheinlich komplett lösen. Die verkehrliche Erschließung ist jedoch nicht gesichert.
29 Weil eine problematische Situation nicht durch ihre Verschärfung gelöst wird!
Wenn man dieses Projekt umsetzen würde, würden sich die Probleme der mangelnden verkehrlichen Erschließung unzumutbar auf die umliegenden Straßen ausweiten. Die Versäumnisse der Vergangenheit bei Errichtung von Neubauten ohne ausreichende Erschließung, also ohne ausreichendes Mitwachsen der Strukturen, würden bei Umsetzung des Projekts zu einer erheblichen Verschärfung der Situation führen.
36 Weil ganz Kolbermoor schon unter der hohen Bevölkerungsdichte leidet!
Ob man an der Rosenheimer im allmorgendlichen oder Feierabendstau steht, ob man an der Ampel der Carl-Jordan-Straße zur Staatsstraße nicht weiterkommt, ob man am Bauhof oder an der Supermarktkasse wartet: Die Infrastruktur ist mit der Bevölkerung nicht mitgewachsen. Dies verursacht jetzt bereits enorme Probleme. Wie soll das aussehen, wenn neben der ohnehin überall stattfindenden Nachverdichtung auf einen Schlag mehrere hundert Neubürger hinzukommen? Wer entschädigt für dieses Zeitopfer und den Verlust an Lebensqualität?
40 Weil enorme Infrastrukturfolgekosten auf uns zukommen!
Wir haben den Bürgermeister nach einer Haushaltsbetrachtung unter Einbeziehung der Infrastrukturfolgekosten gefragt. Leider haben wir nichts erhalten. Auch sind bisher keine Kostenbetrachtungen angestellt worden, wie der Bürgermeister in der Stadtratssitzung vom 26.11.2025 dargelegt hat, da man bisher zunächst die Möglichkeiten ausloten wollte. Dennoch hat der Bürgermeister in der Stadtratssitzung vom 25.03.2026 Kinder- und Schulplätze schon unter Einbeziehung der Neubürger kalkuliert. Das ist aber nur die halbe Miete. Kolbermoor hat weder weiterführende Schulen noch eine Klinik, ein Theater oder andere kulturelle Einrichtungen. Dennoch bedeutet die Überschreitung einer Einwohnerzahl von 20.000 die Ernennung eines Oberbürgermeisters, die Aufstockung des Stadtrates und vor allem die Erweiterung der Stadtverwaltung. Dafür benötigt es weitere (kommunale) Wohnungen. Wo also ist die Grenze? Die gesamten Infrastrukturfolgekosten in Form einer Kosten-Nutzen-Analyse bleiben bislang unklar. Es drängt sich der Eindruck auf, dass bislang diese Kosten durch neue Ausweisung von Baugebieten aufgefangen wurden. Sind wir in eine Spirale gerutscht? Auf uns kommen magere Zeiten zu, sagt der Bürgermeister, weshalb nun Kredite von 30 Mio. € aufgenommen werden müssen (Stadtratssitzung vom 25.03.2026). Wie sieht das mit und wie ohne dieses Projekt aus?

Kosten & Risiken

Wirtschaftliche Interessen, Finanzierung, Erschließungskosten, Haushaltsrisiken und Projektfolgen.

12 Weil es im Wesentlichen um Investoren- und Eigentümerinteressen geht!
Zunächst hat die Stadt mit den Eigentümern der Wiese Verträge geschlossen über den Kauf von 40 % der Fläche. Gleichzeitig haben die Eigentümer MvB mit der Vermarktung der übrigen 60 % des Areals als Bauland beauftragt. Von vornherein war also die Bebauung der Wiese mit Gewinnerzielungsabsicht der Eigentümer vertragliche Grundlage. Dies wurde in nichtöffentlichen Sitzungen des Stadtrates beschlossen, ohne überhaupt die Bürger zu informieren. Kein Wieseneigentümer sollte das Recht haben, für eine landwirtschaftliche Fläche einen höheren Preis als Bauland zu erhalten. Hier liegt unseres Erachtens ein immenser Interessenkonflikt der Stadt zwischen ihren hoheitlichen Aufgaben und der Planung zugunsten der Eigentümer. Das potenzielle Umsatzvolumen dieses Projekts bei 34.400 qm Wohnfläche dürfte insgesamt bei durchschnittlich 8.000 €/qm um 275.000.000 € liegen, von denen 52 % auf den Bauträger entfallen. Dies spricht für ein sehr starkes Interesse.
18 Weil ein Andy-Scheuer-Problem droht!
Die Stadt hat bereits Planungskosten für das Projekt aufgewendet. Das Gutachten sowie Berichte und Konzepte wurden von der Stadt beauftragt. Die Projektplanung an sich wird von MvB durchgeführt. Die zugrunde liegenden Vereinbarungen wurden nicht veröffentlicht. Es ist aber davon auszugehen, dass die Stadt bereits deutlich in Vorlage getreten ist, da der Bürgermeister in der Stadtratssitzung am 26.11.2025 verlauten ließ, er bräuchte den verabschiedeten Rahmenplan zur Abwälzung des Kostenrisikos auf MvB.
26 Weil die Kolbermoorer Bürgerinnen und Bürger für die Erschließung zahlen!
Die immensen Kosten der Erschließung bleiben zu einem großen Teil Sache der Stadt. Wir haben dazu eine ausführliche Stellungnahme gegenüber dem OVB abgegeben, weil uns zur Last gelegt wurde, die Kosten nicht belegen zu können. Grundsätzlich ist ein Großteil der Kosten einer Ersterschließung auf die Neubauten umlagefähig. Bislang wurde es in Kolbermoor oft so gehandhabt, dass Bauträger die Kosten übernehmen und Straßen und Leitungen anschließend in das Eigentum der Stadt übergehen. Hier aber geht es nicht um die Kosten der planmäßigen Erschließung, sondern um Kosten für eine Brücke, eine großdimensionierte öffentliche Tiefgarage, Retentionsbecken usw. Dies sind regelmäßig kommunale Aufwendungen. Es ist auch nicht geklärt, wie mit zu erwartenden Kostenexplosionen aufgrund des schlechten Baugrunds umgegangen wird. Bei der Westtangente stiegen die Kosten von 60 Mio. € auf 270 Mio. €. Solche Kosten fallen hier nicht an, aber die Kostensteigerungen dürften repräsentativ sein. Allein der Aushub und Abtransport von Seeton sprengt jeden Rahmen, da die Mengen für 5.900 qm Tiefgarage, also mehrere tausend Kubikmeter Seeton, rein mengenmäßig kaum von einer bayerischen Deponie aufgenommen werden können. Die Zusammensetzung des Seetons ist dann entscheidend dafür, ob der Seeton quer durch Deutschland transportiert werden muss. Wer zahlt die Rechnung?
37 Weil es zur Hochverschuldung von Kolbermoor führen könnte!
Wir wissen nicht, wie gut der Bauträger aufgestellt ist. Für solche Objekte werden in der Regel Objektgesellschaften mit beschränkter Haftung errichtet. Alle Projekte des Bauträgers werden über solche Projektgesellschaften abgewickelt, hier Max von Bredow Baukulter Kolbermoor GmbH. Wir wissen auch nicht, wie viel Kapitalerhöhung sich der oder die Gesellschafter leisten können oder wollen. Im Moment beträgt das Stammkapital 25.000 €. Bei den immensen Risiken, mit denen das Projekt behaftet ist, ist eine Überschuldung der Gesellschaft nicht auszuschließen. Durch gesamtschuldnerische Haftung und wegen der hohen Erschließungskosten könnten sich für die Stadt unter Umständen weitere Risiken ergeben. Auch ein Stillstand der Bebauung in unterschiedlichen Stadien wegen sich verschlechternder Marktverhältnisse ist nicht auszuschließen.
38 Weil Hochglanzprospekte keine Probleme lösen!
Der Bauträger wirbt auf seinen medialen Kanälen, in Blickpunktbeilagen und in den Stadtnachrichten offen für sein Projekt (dort im Übrigen, ohne dies als Werbeanzeigen zu kennzeichnen), und vermittelt damit den Eindruck einer komplett positiv besetzten Planung. Diese Planung ist weder unabhängig, noch zeigt sie auf, mit welchen enormen Risiken das Projekt für die Kolbermoorer Bürgerinnen und Bürger behaftet ist. Während der Bauträger angibt, dass 400 Leute auf der Kolbermoorer Warteliste für sozialen Wohnraum stehen (die übrigens nicht nachweisen müssen, dass sie Anrecht auf eine kommunale Wohnung haben und die sich auch auf den Listen der anderen Umlandgemeinden registrieren lassen können), verschweigt er, dass seine Projekte eben gerade nicht für diese Leute vorgesehen sind. Er wirbt für ein Kolbermoorer „Quartier, das keine Wünsche offen lässt“ ganz offen in den Werbetexten exklusiver Anbieter, in denen bspw. auch die Rolls-Royce Phantom Centenary Private Collection im Wert von 2 bis 3 Mio. € präsentiert wird. Dafür lohnt es sich dann auch, auf dem Areal zwei eigene private Tiefgaragen zu konzipieren.

Transparenz & Demokratie

Bürgerbeteiligung, Offenlegung, Planungshoheit, Interessenkonflikte und Vertrauen.

17 Weil das Planungskonzept nicht unabhängig ist!
Die Eigentümer der Wiese führen seit Jahren mit der Stadt Verhandlungen. Eine Bebauung der Wiese wurde bislang abgelehnt. Nunmehr sind Stadt, Eigentümer und MvB zu einer Vereinbarung gekommen unter der Voraussetzung, dass Bauland geschaffen wird. Die Stadt als erwerbender Akteur steht also in einem Interessenkonflikt, der ihre unabhängige hoheitliche Planung untergräbt.
31 Weil die Bürger selbst entscheiden sollen, wie sich ihre Stadt entwickeln könnte!
Statt einer Pseudo-Bürgerbeteiligung, die nicht einmal einer Anstoßfunktion gerecht wird, also der Frage, ob das Areal überhaupt der Bebauung gewidmet werden soll, wäre insgesamt eine Zukunftswerkstatt ein guter Weg mit der Fragestellung: Wie stehen die Bürger selbst zur Stadtentwicklung, wie soll die Stadt künftig aussehen und welche Prioritäten sollen gesetzt werden? Das würde jedoch bedeuten, dass die Bürger auch in so wesentliche und grundlegende Fragen einbezogen werden, ob man Verträge zu Projekten dieser Art möchte oder nicht.
32 Weil Bürgerinnen und Bürger nicht bevormundet werden wollen!
Entgegen der Auffassung des Bürgermeisters ist der Souverän nicht der Stadtrat, sondern der Bürger. Leider hat sich diese Fehleinschätzung so festgesetzt, dass selbst Stadträte bzw. Stadträtinnen der Auffassung sind, das einmal in sechs Jahren ausgesprochene Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger müsse für alle Entscheidungen ausreichen. Aus diesem Grund ist es besonders wichtig, dass die Bürgerschaft ihre Rechte in wesentlichen Dingen wieder selbst in die Hand nimmt.
33 Weil Transparenz des gesamten Projekts fehlt!
Wir haben von Anfang an auf Transparenz in diesem Projekt gedrängt. Die Verträge haben wir nicht erhalten trotz Vorschlags zur Schwärzung schützenswerter Passagen. Das wäre grundsätzlich auch nicht nötig gewesen. Vielmehr ist bedenklich, dass auch dem Stadtrat insgesamt keine ausreichenden Einblicke in die Verträge gewährt, sondern nur Eckdaten mitgeteilt wurden. Auch der anschließende Umgang mit den Informationen an die Bürgerinnen und Bürger war teils verwirrend, teils mit gegensätzlichen Aussagen versehen. Und das ist bis heute der Fall. Selbst der Verfahrensweg ist bis heute nicht ausreichend kommuniziert. Auf Kritik wurde in der Regel wenig konstruktiv reagiert. Als in der Stadtratssitzung im Oktober 2024 die Stadt in der Planungsphase noch von einem weißen Blatt Papier gesprochen hat, stand im Hause MvB bereits das komplette 1:200-Modell der Planung anschaulich in seinen Geschäftsräumen.
34 Weil der Bauträger in seinen anderen Projekten Dinge versprochen hat, an die er sich nicht hält!
Teilsrain/Wörthsee: Der Bauträger verspricht die Fortführung eines Wohngenossenschaftsmodells, bekommt den Zuschlag und beerdigt das Modell drei Jahre später über Nacht.

Haimhausen: Der Bauträger verspricht die Aufwertung des Areals Schlossbrauerei zugunsten von Wohnraum unter Würdigung des Denkmalschutzes für und Herausstellung von Sudhaus und Schlossklause mit Klausenkapelle. Der Aufstellungsbeschluss ist inzwischen verabschiedet. Jedoch gibt es deutliche Kritik des Denkmalamtes wegen der Pläne zur massiven Bebauung, die die Denkmäler nicht mehr ausreichend priorisiert.

Winklbauerhöfe/Holzkirchen: Auf einem Dorfanger von etwa einem Zehntel der hiesigen Fläche inmitten von Einfamilienhäusern wird ein Projekt umgesetzt, das den Bau von etwas mehr als 70 Wohneinheiten vorsieht. Die Anwohner beklagten in der „Bürgerbeteiligung“ die Massivität des Projekts genauso wie die unzureichende Anbindung. Am Ende wurden es noch mehr Wohnungen, als zum Zeitpunkt der „Bürgerbeteiligung“ vorgesehen. Davon sollte die Stadt neun Wohnungen erhalten, die sie wegen ausbleibender Fördermittel nicht bezahlen konnte. Das bedeutete ein Haushaltsloch von 3 Mio. €.
41 Fazit: Weil wir unsere Stadt nicht verkaufen, sondern bewahren wollen!
Seit nunmehr fast zwei Jahren beschäftigen uns die Planungen der Stadt hinter dem Huberberg am Keferwald. Wir haben viel recherchiert und große Teile unserer Freizeit geopfert, um die Planungen zu verstehen und zu hinterfragen. Wir haben mit Leuten gesprochen, die von anderen Projekten des Bauträgers Max von Bredow Baukulter GmbH oder anderen Projekten in schwierigen Gebieten betroffen sind, mit Ingenieuren und Wissenschaftlern, mit Ämtern, mit städtischen Angestellten aus Kolbermoor und anderen Kommunen, mit Bauunternehmern, mit Prüfern, mit Stadträtinnen und Stadträten aus Kolbermoor und anderen Kommunen, auch mit Herrn von Bredow selbst. Wir sind gereist, haben angeschaut, uns ein Bild gemacht von Modellen, die geschönt waren, und von der Realität.

Unser Bestreben ist eine Rückbesinnung auf eine gelungene und weiter gelingende Stadtentwicklung unter wirklicher Einbeziehung der Bürgerinnen und Bürger durch eine Pause, in der die Situation neu bewertet werden kann. Unsere Hoffnung ist ein erfolgreicher positiver Bürgerentscheid.

EINMAL VERSIEGELT, FÜR IMMER VERLOREN!

DESHALB: JA ZUM FLÄCHENERHALT!
Schlussfolgerung

Einmal versiegelt, für immer verloren.

Der Flächenerhalt ist aus unserer Sicht keine Verweigerung von Entwicklung, sondern eine Entscheidung für Augenmaß, Lebensqualität, Natur, Transparenz und verantwortungsvolle Stadtplanung.

Deshalb: Ja zum Flächenerhalt.

Worum geht es uns?

Wir haben die Interessengemeinschaft “Nord-Ost-Team” gegründet, weil uns das von Bürgermeister Kloo und dem Bauträger (“Max von Bredow Baukultur”) im Stadtrat, im OVB und bei einem Online-Meeting angekündigte “Neue Quartier im Nordosten von Kolbermoor” direkt betrifft.

Wir wollen, dass damit einhergehende Probleme und Schwierigkeiten schon im Vorfeld berücksichtigt, bearbeitet und beseitigt werden. Dazu machen wir uns Gedanken, wir sorgen uns, wir fragen die Vertreter der Stadt und des Bauträgers und werden Antworten dazu einfordern, kritisch betrachten und beurteilen. Wir wollen unsere Gedanken und Informationen zu allen Planungen und Auswirkungen den interessierten Mitbürgerinnen und Mitbürgern des Kolbermoorer Nordostens zur Verfügung stellen, wollen Antworten von den verantwortlichen Planern und werden uns über diese Webseite, unsere Newsletter und mit dem Rückhalt vieler Nachbarn und Sympathisanten dann auch öffentlich Gehör verschaffen.

So könnte das neue Quartier Nord-Ost aussehen (hellgrüne Fläche) – Dieses Model wurde beim Bürgerbeteiligungstermin am 02.12.2024 vorgestellt (Foto: Eigene Aufnahme)

12 Gründe, warum wir das Quartier Nord-Ost ablehnen

Welche Probleme ergeben sich?

Verkehr auf der Filzenstraße (Quelle: Eigene Aufnahme)
Verkehr

Es gibt nur eine einzige Nord-Süd-Achse für den gesamten Kolbermoorer Nord-Osten (Flurstr./Filzenstr./Kolberstr.) und eine kleine Verbindung über die Bergstraße in Richtung Westen. Diese Straßen sind schmal und bereits jetzt deutlich überlastet. Durch die geplante Bebauung ist mit einer weiteren Zunahme des Verkehrs zu rechnen, jedoch ist die aktuelle Situation bereits mehr als problematisch. Die Fürstätter Straße als unmittelbare Zufahrt in das Planungsareal ist ebenfalls bereits jetzt für die bestehende Situation nicht ausreichend. Weiterhin trägt auch die Karolinenhöhe auf Grund des Seetons keinen dauerhaften Schwerlastverkehr.

Die betroffene Hoheislwiese (Quelle: Eigene Aufnahme)
Oberflächen- & Bodenwasser

Der Seeton, welcher im Planungsareal die Bodensituation bestimmt, ist berüchtigt dafür, dass hier kaum Regenwasser versickert. Folge davon ist, das sich sowohl an der Oberfläche als auch im Boden das Wasser sammelt und in die Keller vieler Häuser eindringt. Das gilt insbesondere für die Häuser am Hang der Karolinenhöhe und darunter (unter anderem Sudetenstraße und Am Graben), vor Allem bei Stark- und Dauerregen. Diese Problematik ist schon lange bekannt. Inwieweit die dabei angedachten Rückhaltebecken bei gleichzeitiger großflächiger Versiegelung Entspannung der Situation bringen, bleibt eine offene Wette.

Versiegelung der Flächen (Quelle: Cracked asphalt – Fotos von Canva)
Versiegelung

Es ist bekannt, dass durch die Versiegelung größerer Flächen, insbesondere bei moorähnlichen Arealen, ungünstige Effekte des Klimawandels noch weiter verstärkt werden. Auch ist eine deutliche Aufheizung des Kolbermoorer Nord-Ostens im Sommer zu erwarten. Genau aus diesen Gründen hat sich auch die Bayerische Staatsregierung dazu verpflichtet, den Flächenfraß zurückzufahren, statt ihn immer weiter ausufern zu lassen. Durch das geplante „Nord-Ost-Quartier“ wird jedoch genau gegenteilig gehandelt.

In Orange: Kolbermoorer Nord-Osten; in Grün: Das geplante Bebauungsgebiet (Quelle: Eigene Darstellung)

BM sagt – Wir meinen!

Das OVB hatte am 07.02.25 u.a. über die Aufstellung von sog. Phantomgerüsten an der Fürstätter Straße berichtet. Diese wurden auf der Fläche aufgestellt, die in dem 1:200-Modell von der Stadt und dem Bauträger (MvB Baukultur) als Platz für eines der beiden vorgesehen war. Offensichtlich als Reaktion – so der OVB-Artikel – „stellte Bürgermeister Kloo einige Punkte klar“. Wir haben uns diese Klarstellung einmal genauer angesehen und kommentieren diese hier.

BM Kloo:
Bei den im vorhandenen Geländemodell dargestellten Baukörpern hätte es sich nur um einen ersten Planungsentwurf gehandelt“. Die Lage und Masse der Baukörper habe lediglich einen Planungsstand dargestellt, der als Diskussionsgrundlage mit den Bürgern diente.

Wir meinen:
Dass es sich bei dem am 2.Dezember 2024 im Mareis-Saal vorgestellte Geländemodell um einen ersten Planungsentwurf handelte, war ja schon vor und während der Veranstaltung klar. Andererseits ist ja an dem Modell mehrere Wochen umfänglich gearbeitet worden. Und genau deshalb sehen wir es auch als mehr als sinnvoll an, sich mit diesem Planungsentwurf auseinandersetzen. Und die Phantomgerüste haben es schließlich deutlich erleichtert, über die bisher bekannt gemachten Planungen zu diskutieren. Was für ein Problem hat BM Kloo dann damit?

BM Kloo:
Es werde zum Beispiel die Lage des kritisierten Parkdecks an alternativen Standorten geprüft, nicht zuletzt auch wegen Optimierungen im Bereich der Retentionsflächen zum Hochwasser schutz und bei der Grünplanung.

Wir meinen:
Es ist durchaus begrüßenswert, wenn die Stadt aus der Bürgerbeteiligung mitgenommen hat, dass das vorgestellte Planungsmodell nur bei wenigen Besuchern der Bürgerbeteiligung auf Zustimmung gestoßen ist. Die Phantomgerüste standen mit den Abmessungen aus dem Planungsmodell exakt an der Stelle und in den Abmessungen, die dem an der Fürstätter Straße gelegenen Parkhaus aus dem 1:200-Modell entsprachen. Durch die Aufstellung von Phantomgerüsten lassen sich die Dimensionen eines geplanten Baukörpers 1:1-in einem städtebaulichen Kontext deutlich besser vorstellen als in einem 1:200-Modell. Dass inzwischen Alternativen zur Lage des von uns kritisierten Parkdecks geprüft würden, zeigt aus unserer Sicht, dass unsere Kritik hier möglicherweise einen wichtigen Punkt getroffen hat. Allerdings ist ein Parkhaus dieser Größe an irgendeinem anderen Ort dadurch auch nicht kleiner. Und man bräuchte ja wohl auch zwei…

BM Kloo:
Mit dem 1:200- Planungsmodell könne man flexibel Gebäudestellungen und Planungsvarianten darstellen und auch Laien eine sehr gute Übersicht und Einschätzung ermöglichen. Nach Meinung des Bürgermeisters wäre das kürzlich errichtete Phantomgerüst nun „ohne genaue Kenntnis des Sachstandes erstellt“ worden.

Wir meinen:
Das ist insofern richtig, als uns der aktuelle Planungsstand nicht bekannt ist. Die veröffentlichten Fotos, auf denen die Höhe und die Seitenflächen des Parkhaus-Baukörpers verdeutlicht wurden, entsprechen der Lage und den Abmessungen im Planungsmodell. Wenn BM Kloo nun glaubt, das mit ‚Malen nach Zahlen‘ vergleichen zu müssen, entwertet er damit einerseits in eigentlich verblüffender Offenheit selbst das von der Stadt, dem Bauträger und ihm vorgestellte Planungsmodell, das die Grundlage den bisherigen Planungsstand für die Lage und Abmessungen sowie den Ort der Phantomgerüst-Aufstellung geliefert hatte. Andererseits zeigt diese Wortwahl aber auch mal wieder, wie unsachlich und von oben herab er mit kritischen Positionen zu einem von ihm auserkorenen Projekt umgeht. Wir erinnern dran, dass er im September letzten Jahres Kritiker seiner Tätigkeit als Bürgermeister bzw. des Stadtrates indirekt mit Grundschülern verglich.

BM Kloo:
Der Bürgermeister kündigte an, dass man mit dem städtebaulichen Konzept erneut an die Öffentlichkeit gehen würde, sobald die Anregungen aus der Bürgerschaft eingearbeitet und vom Stadtrat abgesegnet wurden. Wann dies genau der Fall sein wird, sei noch unklar.

Wir meinen:
Wir werden auch ein neues Modell im Hinblick auf die von uns nun schon länger benannten Defizite und Probleme untersuchen und kommentieren. Und wir werden auch weiter im Interesse aller interessierten Kolbermoorer Antworten und Begründungen einfordern. Aus unserer Sicht ist das „Quartier Nordost“ aus einer ganzen Reihe von Gründen nicht tragfähig, wesentliche Fragen sind weiter nicht geklärt. Und die Auswirkungen des Projektes im Hinblick auf die möglichen Folgen für die Verkehrssituation in der Stadt, den lokalen und regionalen Natur- und Klimaschutz sowie finanzielle Folgen und Risiken betreffen alle Bürgerinnen und Bürger Kolbermoors. Wir werden daher weiterhin die Vorbereitungen für ein Bürgerbegehren und dann für einen Bürgerentscheid voran zu treiben.

So können Sie uns unterstützen

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